5 Aug 2026
Deutschland startet formelle Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags 2021 vor Fristende 2026

Hintergründe zur Vertragsprüfung
Die 16 Bundesländer Deutschlands haben eine formelle Überprüfung und Bewertung des Glücksspielstaatsvertrags von 2021 eingeleitet, deren Abschluss vor dem 31. Dezember 2026 erfolgen soll, während zugleich Bedenken über die Auswirkungen strikter Vorgaben auf die Wettbewerbsfähigkeit des Marktes im Raum stehen. Diese Vorgaben umfassen unter anderem Einsatzlimits von einem Euro pro Spin bei Automatenspielen, Verzögerungen von fünf Sekunden zwischen den Spielen sowie monatliche Einzahlungsobergrenzen von 1000 Euro, die nach Angaben von Beteiligten die Attraktivität regulierter Angebote gegenüber anderen Plattformen beeinträchtigen. Die Prüfung erfolgt in enger Abstimmung zwischen den Ländern und Vertretern der Branche, wobei auch Anpassungen an bestehenden Steuermodellen diskutiert werden.
Aktueller Stand der Kanalisierung im Online-Glücksspiel
Aktuelle Schätzungen der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder, kurz GGL, beziffern die Kanalisierungsquote auf rund 77 Prozent, was bedeutet, dass nahezu jeder vierte Euro, der online gesetzt wird, auf nicht regulierte Plattformen fließt. Diese Zahlen stammen aus Berichten, die im Rahmen der laufenden Evaluierung herangezogen werden, und zeigen auf, wie sich die bestehenden Regelungen auf das Verhalten der Nutzer auswirken. Beobachter verweisen darauf, dass die Quote seit Inkrafttreten des Vertrags von 2021 relativ stabil geblieben ist, obwohl die Regulierung ursprünglich darauf abzielte, mehr Aktivität in den legalen Bereich zu lenken.
Die Daten der GGL dienen als Grundlage für Gespräche über mögliche Modifikationen, die sowohl den Spielerschutz als auch die Marktdynamik berücksichtigen sollen. In diesem Zusammenhang werden verschiedene Szenarien durchgespielt, darunter eine Überarbeitung von Einsatz- und Einzahlungsbeschränkungen sowie eine Neujustierung der steuerlichen Rahmenbedingungen, um die Wettbewerbsfähigkeit der lizenzierten Anbieter zu stärken.
Beteiligte Akteure und Ablauf der Evaluierung
Alle 16 Bundesländer sind in den Prozess eingebunden, da der Glücksspielstaatsvertrag eine gemeinsame Angelegenheit der Länder darstellt und Änderungen daher eine breite Zustimmung erfordern. Vertreter aus der Glücksspielindustrie, Verbände und weitere Stakeholder liefern im Rahmen von Anhörungen und Arbeitsgruppen Beiträge, die in die Bewertung einfließen. Die Gespräche finden in mehreren Runden statt, wobei erste Ergebnisse bereits im Laufe des Jahres 2026 erwartet werden, um rechtzeitig vor der Dezember-Frist Entscheidungen vorzubereiten.
Im August 2026 laufen die Abstimmungen zwischen den Ministerien der Länder auf Hochtouren, während gleichzeitig Branchenvertreter weitere Analysen zu den wirtschaftlichen Effekten der aktuellen Limits einreichen. Diese parallelen Aktivitäten sollen sicherstellen, dass die Evaluierung sowohl auf empirischen Daten als auch auf praktischen Erfahrungen aus dem Markt basiert.

Mögliche Anpassungen und ihre Diskussion
Im Zentrum der Debatten stehen Vorschläge zur Anpassung des Steuermodells, die darauf abzielen, Anreize für regulierte Anbieter zu schaffen, ohne die Schutzziele des Vertrags zu untergraben. Experten der beteiligten Behörden analysieren, wie sich Änderungen an den Einsatzlimits oder den Spielverzögerungen auf die Kanalisierungsquote auswirken könnten, und vergleichen diese mit Entwicklungen in anderen europäischen Märkten. Die Diskussionen bleiben dabei auf Fakten und vorliegende Statistiken beschränkt, während konkrete Beschlussvorlagen erst nach Abschluss der Evaluierung erwartet werden.
Die GGL liefert laufend aktualisierte Berichte, die als Referenz für die Länder dienen und aufzeigen, in welchem Umfang nicht regulierte Plattformen weiterhin Umsätze generieren. Solche Informationen fließen direkt in die Überlegungen ein, wie die Balance zwischen Regulierung und Marktzugang künftig gestaltet werden könnte.
Zeitlicher Rahmen und nächste Schritte
Die Frist bis zum 31. Dezember 2026 gibt den Rahmen vor, innerhalb dessen die Bundesländer eine gemeinsame Position erarbeiten müssen. Bis dahin sollen weitere Datenanalysen, Stakeholder-Dialoge und Modellrechnungen abgeschlossen sein, um fundierte Entscheidungen treffen zu können. Der Prozess sieht vor, dass Zwischenergebnisse regelmäßig veröffentlicht werden, damit alle Beteiligten den Fortschritt nachvollziehen können.
Abschließende Empfehlungen werden voraussichtlich im Herbst 2026 formuliert, sodass die Ministerpräsidenten der Länder noch vor Jahresende über mögliche Vertragsänderungen beraten können. Dieser Zeitplan stellt sicher, dass etwaige Anpassungen rechtzeitig umgesetzt werden können, falls die Evaluierung Bedarf dafür feststellt.
Fazit
Die formelle Überprüfung des Glücksspielstaatsvertrags 2021 durch die deutschen Bundesländer läuft planmäßig und integriert Daten der GGL sowie Beiträge aus der Branche, um die Auswirkungen der aktuellen Regelungen auf die Kanalisierung und die Wettbewerbsfähigkeit zu bewerten. Mit der Frist im Dezember 2026 bleibt ausreichend Zeit für eine gründliche Analyse, die sowohl die Schutzziele als auch die Marktentwicklung berücksichtigt. Die beteiligten Akteure arbeiten daran, auf Basis der vorliegenden Fakten und Statistiken fundierte Anpassungsvorschläge zu entwickeln.